Amazon: Vom Versandhändler zum Content-King mit eigener Hardware

19. September 2015 Kategorie: Hardware, Internet, geschrieben von:

artikel_amazon_undergroundAmazon zeigte diese Woche eindrucksvoll, dass man sich auch als Gerätehersteller durchsetzen will. Wollte man auch vorher schon, die neuen Produkte bekräftigen dies aber noch einmal sehr stark. Keine allzu großen Kompromisse bei der Hardware, dafür aber ein sehr günstiger Preis. Die Strategie ist schnell erklärt, den Kunden mit niedrigen Preisen und einem großen Angebot locken. Amazon fährt bei dieser Strategie zweigleisig, hat auf der einen Seite Hardware, die sich perfekt für den Medienkonsum eignet. Auf der anderen Seite befindet sich Content. Filme, Serien, Bücher, Apps, Games – vieles ist in einer Prime-Mitgliedschaft enthalten, andere werden auch für Nutzer ohne Prime-Status angeboten. Einfacher Zugang zu Inhalten und ein günstiges Anbieten dieser, warum macht Amazon das?

Amazon versorgt den Kunden mit einem Rundum-Sorglos-Paket. Mit 49 Euro pro Jahr erkauft sich der Kunde nicht nur Versandvorteile, das was Amazon Prime ursprünglich war. Er erhält auch Zugriff auf Prime Instant Video, die Kindle Leihbücherei und unbegrenzten Speicher für Fotos im Amazon Cloud Drive. Viele Vorteile, die man sich bei Kauf von Einzelangeboten nie zu dem Preis sichern könnte, aber die wenigsten werden wohl auch alle Vorteile benötigen.

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Nun kommt Amazon noch mit neuen Geräten und Fire OS 5 (Screenshots dazu sind hier im Beitrag verteilt), das noch mehr auf Content ausgelegt ist. Man hat jederzeit Zugriff auf all seine Inhalte, seien es gekaufte oder solche, die in Prime enthalten sind. Das Beste an den Geräten: sie sind absolute Schnäppchen. Ich konnte mir das neue Fire Tablet für 59,99 Euro bereits anschauen, die Hardware ist am Preis gemessen sehr gut. Von der Qualität ist das kleine Tablet locker auf Augenhöhe mit Tablets, die das Doppelte oder gar mehr kosten. Freilich kann man kein High-End-Gerät erwarten, macht man bei diesem Preis aber wohl auch nicht.

Hardware und Inhalte aus einer Hand, perfekt abgestimmt, das kennt man irgendwoher. Bei Apple wird dieses System gerne als „goldener Käfig“ bezeichnet. Kunden bezahlen eine ganzen Haufen Kohle, um sich dann in einem sehr gut abgestimmten System zu bewegen. Vorteil ist hier ganz klar das gute Zusammenspiel unter den verschiedenen Geräten, etwas, das Amazon nicht unbedingt erreichen muss, da alle Geräte auf den gleichen Anwendungsbereich ausgelegt sind.

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Amazon bietet diesen goldenen Käfig zum Aldi-Preis. Die günstigste Kombination lautet Amazon Prime und das neue Fire Tablet. Zusammen werden auf 12 Monate gesehen 108,99 Euro fällig, macht pro Monat. Man zahlt also pro Monat weniger als für das beliebteste Netflix-Abo, bekommt aber außer Video eben auch noch weitere Vorteile und die Hardware für den Konsum gleich mit. Einen Teil des Nutzungserlebnisses macht auch Amazon Underground aus. Hierbei handelt es sich aber nicht um ein Prime-Feature. Jeder erhält durch Nutzung von Amazon Underground Apps und Games kostenlos, auch In-App-Käufe sind nicht vorhanden oder kostenlos.

Auf Dauer wird man aber sicher nicht mit einem kleinen Einstiegs-Tablet zufrieden sein. Ist man einmal angefixt, will man automatisch etwas besseres. Das mag nicht bei allen so sein, dürfte aber häufiger vorkommen als man meint. Display zu klein? Wie wäre es mit dem neuen Fire HD 10? Games lieber auf dem TV zocken? Der neue Fire TV inklusive verbessertem Game-Controller ist das ideale Gerät. Es sollen nur Filme auf den TV? Zum Glück gibt es den Fire TV Stick jetzt auch gleich mit Sprachfernbedienung. Außerdem sind die neuen Fire Tablets die einzigen Geräte, die den Download von Prime Instant Video-Inhalten auf eine microSD-Karte für den Offline-Gebrauch ermöglichen.

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Ihr erkennt es hoffentlich. Amazon hat sein Angebot mittlerweile so gut abgestimmt, dass nahezu für jeden die ideale Kombination dabei ist. Und der Einstieg wird auch absoluten Laien sehr einfach gemacht. Dank Amazon Mayday kann man schnell Hilfe anfordern, wenn es ein Problem gibt. Ein Mitarbeiter geht dann auf dem Endgerät Schritt für Schritt alles mit dem Nutzer durch und das Problem wird gelöst.

Amazon wird durch diese Vorgehensweise immer mehr zu Alltagsbegeleiter. Es gibt kaum etwas, das nicht irgendwie bei Amazon verfügbar ist, egal ob physische oder digitale Güter. Der One-Stop-Shop für alles, was man braucht oder nicht braucht. Für den Kunden ein idealer Tummelplatz mit günstigen Preisen und doch nichts anderes als ein goldener Käfig.

Amazon wird auch künftig weiter auf ein breites Angebot setzen. Im Bereich Streaming stehen Eigenproduktionen ganz weit vorne, aber die Zukunft des Streamings wird noch ganz andere Möglichkeiten bieten. Amazon liefert Streams teilweise bereits in 4K HDR aus, inhaltlich wird es aber wohl auch weiter eine Verschiebung von klassischem TV zu Streaming geben, das muss nicht nur Filme und Serien betreffen. Hier hat Amazon bereits jetzt ein großes Publikum, das angesprochen werden kann.

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Nun kann man natürlich anmerken, dass sich Amazon dies nur leisten kann, weil die Mitarbeiter schlecht bezahlt und behandelt werden. Nun, hier muss man allerdings auch betrachten, dass es bei jedem großen Konzern so ist. Keiner hat etwas zu verschenken, jeder produziert so billig wie möglich und versucht den Laden so effektiv wie möglich am Laufen zu halten.

Das macht die Situation zwar keinesfalls besser, aber nur weil Amazon mit den Arbeitsbedingungen in die Meiden geraten ist, betrifft dies nicht alle Mitarbeiter. Ausnahmen gibt es immer, da ist es egal, ob das Unternehmen Amazon, Google, Apple, Samsung, Foxconn oder sonstwie heißt. Diese „alle werden fair behandelt“-Welt ist im Kapitalismus nun einmal nicht vorgesehen.

Was sagt Ihr zu Amazons Strategie des Rundumversorgers? Ein Komlpettpaket für alle Lebenslagen, ist das in Eurem Interesse oder setzt Ihr für alle Befindlichkeiten lieber einen spezialisierten Service ein, auch wenn dieser dann ein ganzes Stück mehr kostet?


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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