Alternote im Kurztest: Alternativer Evernote-Client für Schreiber und Testwillige

14. Februar 2015 Kategorie: Apple, Software & Co, geschrieben von:

Seit es Evernote gibt, bin ich dort angemeldet. Das Tool ist mächtig und kann mittlerweile so ziemlich alles. Allerdings ist Evernote irgendwie nichts oder nur teilweise etwas für mich, das schrieb ich bereits einige Male hier im Blog. Ich möchte meine Dokumente nicht unbedingt alle in der Cloud haben und diese dort sammeln – obwohl das natürlich alles bequem sein kann. Man legt Notizbücher thematisch an und kann dort Rechnungen und vieles mehr durchsuchbar anlegen. 

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Ich habe diverse Lösungen für Dokumente durch, aber mich irgendwie nie auf ein Programm festlegen können. Irgendwie hänge ich da noch meinem alten System hinterher, welches ich auch bei Fotos praktiziere. Fotos landen in Jahresordnern. Urlaub Dänemark 2015. Las Vegas 2015. Und so weiter. Ähnlich gehe ich mit Dokumenten vor. Alle mittels OCR vom Betriebssystem durchsuchbar. Rechnungen 2015. Steuern 2015. 

Als One-Man-Show hat man nicht so viele Dokumente, die man zwingend aufbewahren muss, auf die man schnell Zugriff haben muss. Ich archivierte irgendwann mal alles mit einem Dokumentenscanner, habe zudem für den flotten Scan einen Doxie Go – und im absoluten Notfall gibt es einige Apps, mit denen sich Dokumente mit dem Smartphone fotografieren lassen – zudem für OCR suchen. 

Halten wir fest: Dokumente werden in einer Ordnerhierarchie gespeichert, wie auch Fotos. Evernote brauche ich da schon einmal nicht – zumal Evernote zwar innerhalb der App OCR anbietet, aber nicht bei Dokumenten, die man aus der App heraus exportiert. Was ich immer nett fand, das war die Synchronisation. Ich schrieb ab und an gerne Texte in Evernote, um diese von A nach B zu synchronisieren. Doch ich will auch da ehrlich sein: den Editor fand ich nie so ganz toll, bei Text, den ich von A nach B kopierte, musste ich auf dessen Formatierung achten, beziehungsweise ohne Formatierung einfügen. 

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Hier hätte ich mir mal wirklich so einen klassischen Editor für Schreiberlinge gewünscht, wie ihn Apps wie iA Writer und Co bieten. Auf Wunsch schnörkellos und ohne Formatierungen. Ich schreibe nicht immer im Backend von WordPress, längere Texte wie Testberichte oder externe Texte schreibe ich in einem Editor. Vor Jahren konnte Evernote mit Textsynchronisation punkten, aber die Zeiten sind ja auch vorbei, seitdem fast jede App eine Synchronisationsmöglichkeit anbietet. Nun bin ich letztens bei ProductHunt auf Alternote gestoßen, eine App, von der ich erst einmal nicht wusste, was sie überhaupt besser machen will.

Alternote befindet sich momentan im Betastadium, ist kostenlos und nur für OS X zu haben. Es ist quasi eine stark vereinfachte GUI für Evernote und setzt auf diesem Dienst auf. Heißt: ihr habt Zugriff auf alle bisherigen Dokumente oder Schlagworte (Tags). Das Ganze unter einer einfachen Oberfläche, die mit wesentlich besser gefällt, als die von Evernote. Dies liegt aber nicht daran, dass man bei Evernote keine Ahnung hat, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass Alternote seine Stärken wahrscheinlich woanders sieht und vor allem nicht einmal ansatzweise die Funktionen von Evernote anbietet. Es ist ein wenig wie die Verwaltung für Minimalisten. Ihr habt einen Editor und Tags, zudem Zugriff auf markierte Artikel und eure Notizbücher. Keine Erinnerungen wie in Evernote, momentan sogar nicht einmal die Möglichkeit, Dokumente anzuhängen.

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So würde ich persönlich Alternote nicht als Ersatz zu Evernote sehen, sondern als gelungenen Sidekick für Menschen, die viel mit Texten machen wollen, zudem aber auch auf die Vorzüge von Evernote sehen. So gibt es neben dem Editor für störungsfreies Schreiben auch einen Nachtmodus, sechs eingebaute Schriftarten, die Möglichkeit, Schriftgrößen zu ändern, farbige Schlagwörter, einen Live-Zähler für Wörter, eine Mülltonne, aus der gelöschte Notizen auch wieder hergestellt werden können, einen Kompaktmodus und letzten Endes auch die Möglichkeit, ToDo-Listen zu pflegen. Diese aber nur ohne Erinnerungsfunktion, eignet sich also weniger für Aufgaben mit zeitkritischem Hintergrund.

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Im Grunde ist der reine Editor erst einmal nackt, markiert man den gewünschten Text, dann schwebt eine Formatierungsleiste herein, aus der man dann beispielsweise wählen kann, ob der Text fett markiert sein soll, oder ob eine ToDo-Liste eingepflegt werden soll. Ich habe jetzt einige Tage auf meinem MacBook Air mit Alternote gearbeitet und kann sagen, dass ich grundsätzlich angetan bin. 

Dennoch bin ich mir bewusst, dass Alternote nun nicht ganz außergewöhnlich ist. Editoren mit Cloud-Anbindung gibt es nicht nur für Menschen, die auf lokale Software stehen, sondern auch direkt in der Cloud. Alternote ist bislang nicht mehr als ein wunderbarer Editor, der sich geschickt mit Evernote verzahnt. Hier sehe ich seine Stärken für Nutzer von Evernote, die eben auf einen alternativen Editor setzen wollen. 

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Vieles fehlt noch, aber noch ist der ganze Spaß in der Beta und so darf man sicherlich fehlende Funktionen verzeihen. Im Winter 2015 soll Alternote in einer finalen Version erscheinen. Ob ich es bis dahin überhaupt nutze, weiss ich nicht. Sollte dies der Fall sein, dann schreibe ich bestimmt noch einmal über meinen Workflow, der sich vielleicht bis dahin mit dem Tool entwickelt hat. Ich bin jemand, der es gerne strukturiert mag, das geht analog in meinem Arbeitszimmer los und erstreckt sich auch in das digitale Leben. Dennoch scheue ich mich nicht davor, alte Strukturen auch gerne einmal einzureißen und Neues auszuprobieren. Das kostet unter Umständen vielleicht Zeit und ist nicht immer mit Erfolg verbunden, doch es erweitert den eigenen Horizont immens, wenn man weiss, ob eine Lösung für einen selbst passt – oder eben auch nicht.

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Solltet ihr euch in diesem Text irgendwie wiedergefunden haben und einen Blick auf Alternote werfen wollen, dann hinterlasst mir auch gerne euer Feedback. Dies könnt ihr übrigens nicht nur zu Alternote hinterlassen, sondern zu jeglichen Themen, die mit der Struktierung von Dokumenten, Dateien, Terminen, ToDos und Co zu tun haben. Vielleicht entdeckt der eine oder andere Leser in den Kommentaren ja noch etwas, was er nützlich findet. Und falls ihr noch an mich Fragen bezüglich meiner Arbeitsweisen oder so habt – immer nur her damit.


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Über den Autor:

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