AdBlock Plus eröffnet Marketplace für Werbeanzeigen

13. September 2016 Kategorie: Internet, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

artikel_adblockplusAdBlock Plus ist umstritten: Das Programm rund um die Acceptable Ads und das Whitelisting gegen einen vermeintlichen Obolus sorgen seit Jahren immer wieder für Debatten – auch in den Kommentaren hier im Blog. Die Kontroversen dürfte ein neuer Schachzug von AdBlock Plus bzw. der Eyeo GmbH dahinter nun erneut anfachen. So eröffnet man einen „Marktplatz“. Auf jenem sollen sich Seitenbetreiber Acceptable Ads auswählen können, um sie in ihre Website einzubinden. Klingt nach einem gewagten Plan, der wohl eventuell erneut Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen könnte.

So liegt die Eyeo GmbH ja mit einigen Verlagen im Clinch – trug zuletzt aber beispielsweise einen Sieg über die Süddeutsche Zeitung davon. Der Marktplatz soll so funktionieren, dass Seitenbetreiber dort Werbung auswählen kann. Jene Acceptable Ads erscheinen für Benutzter der Browser-Erweiterung AdBlock Plus dann anstelle der Werbung, welche andere Nutzer sehen. Ben Williams von AdBlock Plus erklärt diese Strategie: „Dadurch ist es möglich, zwei unterschiedliche Ökosysteme passend zu behandeln und beide zu monetarisieren.

Damit wird der Marktplatz also zu einer Erweiterung der Acceptable Ads. Man erhofft sich davon, dass sich noch mehr Websites der Initiative anschließen. Die Acceptable Ads sollen auf Website-übergreifendes Tracking verzichten. Außerdem sind sie auf bestimmte Formate / Größen und Platzierungen beschränkt. Ob die Verlage mit dem Marktplatz für Acceptable Ads glücklich sein werden, ist fraglich. Einerseits könnten sie sich denken „Ok, so wird immerhin überhaupt Werbung durchgelassen“, andererseits treten sie sicherlich nicht gerne Kontrolle an die Eyeo GmbH ab. Denn das letztere sich hier als Gatekeeper platzieren will und mit dem Marktplatz verdienen möchte, ist klar.

So werden die Verlage 80 % der Werbeeinnahmen über Acceptable Ads erhalten – 20 % werden unter anderen Parteien aufgeteilt, welche die Werbung ausliefern. Da bekommt natürlich auch Eyeo ein Stück vom Kuchen ab: 6 % sollen es sein. Die Begründung von Williams klingt dabei moralisch sehr bedenklich: „AdBlocking gäbe es so oder so, auch ohne uns.“ Man gebe Verlagen also einfach eine gute Chance mit dem Status Quo umzugehen.

Ähnlich argumentieren natürlich auch Drogen- oder Waffenhändler: „Wenn nicht wir, würde jemand anderes das Angebot machen…“ – mag stimmen, macht die Argumentation aber nicht weniger fadenscheinig. Zunächst steckt der Marktplatz für die Acceptable Ads erstmal in der Beta. Noch vor Jahresende soll aber die finale Version an den Start gehen. Zeitgleich arbeitet man bei Eyeo bzw. AdBlock Plus auch an einem Komitee, das in Zukunft entscheiden soll, wie die Richtlinien für Acceptable Ads ausfallen. Hier möchte man Verlage, Werbemacher und auch Datenschützer einbeziehen.

Was haltet ihr vom Marktplatz für Acceptable Ads? Mich überkommt dabei ehrlich gesagt kein gutes Gefühl. Allerdings ist das eben, wie fast immer, Meinungssache.

(via The Verge)


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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