Adblock-Plus-Anbieter obsiegt vor Gericht über die Süddeutsche Zeitung

30. März 2016 Kategorie: Internet, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

artikel_adblockplusVerschiedene Verlage haben bereits gegen Eyeo, den umstrittenen Anbieter des Werbeblockers Adblock Plus, geklagt. Jetzt hat zum fünften Mal ein Landgericht entschieden, dass Adblock Plus legal angeboten werden darf. Dieses Mal ist es das Landgericht München, das eine Klage des Süddeutschen Verlags (Süddeutsche Zeitung) abgewiesen hat. Der Vorwurf des Verlags lautete, dass Eyeo für den Süddeutschen Verlag mit seinem Werbeblocker dafür sorgen würde, dass jährlich Schäden im „mittleren sechsstelligen Euro-Bereich“ entstünden. Eyeo greife in den implizierten Vertrag zwischen Verlag und Leser ein, der gegen die Einblendung von Werbung die Anzeige kostenloser Artikel freischalte.

Eyeo hat hingegen argumentiert, Adblock Plus bestärke nur die informationelle Selbstbestimmung der Anwender. Der Verlag habe außerdem andere Monetarisierungsoptionen. Außerdem erlaube Eyeo über sein Acceptable-Ads-Programm Werbung durchzulassen. Man habe zudem selbst ein Interesse an der Einblendung unaufdringlicher Werbung, da man an den Werbeumsätzen seiner Partner mitverdiene. Die Richter des Landgerichts München erklären wiederum in ihrer Urteilsbegründung (Aktenzeichen 33 O 5017/15), dass Eyeo und der Süddeutsche Verlag tatsächlich ein gewisses Konkurrenzverhältnis zueinander unterhielten, demnach müsse aber nach dem Wettbewerbsrecht geklagt werden. Allerdings liege wiederum keine gezielte Behinderung des Süddeutschen Verlags vor. Zumal das vom Verlag implizierte Vertragsverhältnis mit dem Leser faktisch fehle, denn kein Leser sei verpflichtet Werbung anzuschauen.

AdblockPluslogo

Entsprechend sagen die Richter auch keinen Eingriff in die Kommunikation zwischen dem Verlag und den Lesern. So hatte der Süddeutsche Verlag ebenfalls bemängelt, dass Copyright-Hinweise und Links auf das Impressum durch den Werbeblocker ausgeblendet worden seien. Eyeo wiederum erklärte, diesen Fehler bereits korrigiert zu haben. Der Umstand sei darauf zurückzuführen gewesen, dass der Süddeutsche Verlag selbst die Elemente als Werbung gekennzeichnet hatte.

Eyeo hat somit vor Gericht sehr zum Ärger mehrerer Verlage eine Siegessträhne. Allerdings haben mehrere Verlage angekündigt durch weitere Instanzen gehen zu wollen. In der Zwischenzeit sperren mehr und mehr Verlage auf ihren Websites, prominentestes Beispiel ist wohl Bild.de, die Nutzer von Adblockern generell aus. Andere behelfen sich mit Paywalls. Letzteres gilt z. B. auch für Süddeutsche.de, denn ein Teil des Contents bleibt zahlenden Kunden vorbehalten.


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1951 Artikel geschrieben.