Show must go on: Freddie Mercury erwacht zu virtuellem Leben

15. Mai 2012 Kategorie: Internet, geschrieben von:

Sechs Jahre war ich alt, als Elvis starb, neun Jahre alt, als John Lennon erschossen wurde – ich habe wirklich sehr früh angefangen, mich für Musik zu begeistern, aber diese Ereignisse habe ich damals nicht bewusst wahrgenommen. Anders beim Tod von Freddie Mercury 1991. Er war einer der größten Frontmänner aller Zeiten und seit den frühen Achtzigern habe ich die Queen-Platten rauf- und runter gehört. Gleich zwei Mal versetzte er damals die Musikwelt in Schockstarre: einmal, als er verkündete, dass er totkrank ist – und kurze Zeit darauf, als er dann tatsächlich verstarb. Unvergessen bis heute, wird seine Musik auch immer noch gefeiert. Kein Gewinner im Sport vom kleinsten Dorf-Cup bis zum Weltmeister, der nicht „We are the champions“ anstimmt, Songs wie „We will rock you“ und „Bohemian Rhapsody“ haben sich für immer in die Rock-Geschichte eingebrannt und auch das Musical „We will rock you“ läuft unverändert erfolgreich seit vielen Jahren.

Genauer gesagt seit zehn Jahren – und exakt das ist der Grund für diese kleine Zeitreise: Gestern fand die Jubiläums-Show in London statt und dieses Jubiläum sollte die Wiederauferstehung des Freddie Mercury zeigen. Mit einer besonderen Trick-Technik wollte man den Frontmann zumindest kurz wieder zu virtuellem Leben verhelfen. Wem diese Story bekannt vorkommt: erst vor kurzem gab es einen Auftritt des Rappers Snoop Dogg beim Coachella-Festival, ihm zur Seite stand – ähnlich zum Leben animiert wie Freddie – der vor 16 Jahren erschossene Tupac Shakur aka 2Pac.

Während viel von einem „Hologramm“ gesprochen wurde, handelt es sich hierbei eigentlich um eine Projektion, die in der Zauberei als Pepper’s Ghost (nach dem Illusionisten John Pepper) bekannt geworden ist. Ich war letzten Monat echt ergriffen von diesem Auftritt und wäre es vermutlich jetzt auch wieder gewesen, wenn ich der Performance der Musical-Crew hätte beiwohnen können, als ein scheinbar quicklebendiger Freddie Mercury die Bühne enterte.

Dennoch ist es auch eine zweischneidige Geschichte. Ich glaube, dass solche Auftritte für mich funktionieren, wenn sie wohl dosiert werden. Sollten aber in jeder Dorf-Disco Michael Jackson-Auftritte angekündigt werden, bekäme das einen eher faden Beigeschmack. Mich würde jedenfalls interessieren, wohin die Entwicklung geht: Werden wir demnächst regelmäßig längst verstorbene Helden auf der Bühne begrüßen dürfen? Werden sich Marylin Monroe und Elvis Presley ein Duett liefern – oder gar Kurt Cobain und Michael Jackson? Ich bilde mir ein, dass es ein ganz dünnes Eis ist, auf welches man sich begibt – es kann ein sensationelles Erlebnis sein, aber ebenso ein pietätloses Medien-Spektakel. Ähnliches erwarte ich übrigens auch für Kinofilme – auch hier kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Computer-Technik uns schon in naher Zukunft in die Lage versetzen wird, „neue“ Filme mit John Wayne und James Dean zu schauen.

Was haltet ihr von der Geschichte? Wird hier ein Bogen überspannt und sollte man die Toten ruhen lassen – oder könnt ihr euch mit solchen Performances arrangieren, wenn sie ansprechend umgesetzt werden?

Quelle: CNET


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